ERIG e.V. (Foto: ©Taneli Lahtinen, unsplash.com)

ERIG e.V.

ERIG e.V.

– vom Hörsaal in den Weltraum

05. Dezember 2022

Neue Gedankenräume erobern.

Astroherbst

Fast kein Tag vergeht, an dem uns nicht neue Entdeckungen immer tiefer in die Geschichte des Universums blicken lassen. Raumsonden liefern uns faszinierende Bilder fremder Welten, und mit Weltraumteleskopen blicken wir bis in die kosmische Frühzeit zurück. Kaum eine wissenschaftliche Disziplin hat unser Weltbild so grundlegend beeinflusst wie die Astronomie. Immer wieder haben neue Entdeckungen den Menschen dazu gebracht, sein Verständnis des Universums zu revidieren.

Gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) präsentiert das Haus der Wissenschaft Braunschweig spannende Vorträge von renommierten Expert*innen, die allgemeinverständliche Einblicke in ihre Wissenschaftsbereiche geben:

Eröffnet die Raumfahrttechnik der Menschheit ein rettendes Mittel gegen katastrophale Asteroideneinschläge? Die Solar-Orbiter-Mission hat inzwischen mit der Erforschung der Sonne begonnen – welche Ergebnisse gibt es bereits? Sowohl bei der BepiColombo-Mission zum Merkur als auch beim MMX-Rover zur Erforschung der Marsmonde sind Instrumente bzw. Bordsysteme aus Braunschweig entscheidend beteiligt – was dürfen wir hier erwarten? Und welche faszinierenden Projekte hat unser studentischer Nachwuchs in der ERIG an der TU Braunschweig?

Die Vortragsreihe "Astroherbst" geht diesen und weiteren Fragen auf den Grund. Wie immer bleibt im Anschluss an die Vorträge genügend Zeit, Fragen zu stellen und das Gehörte zu diskutieren.

ERIG e.V. – vom Hörsaal in den Weltraum

Arvid Lunding und Moritz Förster  
ExperimentalRaumfahrt-InteressenGemeinschaft e.V., TU Braunschweig


Raumfahrtprojekte sind extrem ambitioniert, und die daran aktiv Beteiligten müssen nicht nur ein hohes Maß an innerer Motivation und Begeisterung mitbringen, sondern auch gelegentliche Rückschläge ertragen können, ohne ihr Ziel aus den Augen zu verlieren. Für Studierende der entsprechenden Fachrichtungen sind daher praktische Erfahrungen als Ergänzung der wissenschaftlichen Ausbildung im Studium unbezahlbar. An der TU Braunschweig ist die ExperimentalRaumfahrt-InteressenGemeinschaft (ERIG) die studentische Plattform für die Entwicklung von Experimentalraketen, die im Rahmen des STERN-Projekts von der europäischen Startbasis ESRANGE in Kiruna (Nordschweden) aus gestartet werden. Daneben entwickelt die ERIG auch Marsrover und technologische Experimentalplattformen, zum Beispiel für das CREATE-Projekt, mit dem der 3D-Druck von kohlefaserverstärkten Strukturen in der Schwerelosigkeit erprobt werden soll. Im Abschlussvortrag der diesjährigen Astroherbst-Vortragsreihe präsentiert die ERIG ihre faszinierenden Weltraumaktivitäten an der TU Braunschweig – und auch Hardware zum Anfassen. 

Referent

  • Arvid Lunding & Moritz Förster, ExperimentalRaumfahrt-InteressenGemeinschaft e.V., TU Braunschweig

Veranstaltungsinfos

Termin 05.12.2022 (19:00 bis 22:00)
WoAula (3. Stock)
KostenDer Eintritt ist frei!

Ein Rover für Phobos – auf den Spuren der Herkunft der Marsmonde

28. November 2022

Dipl.-Ing. Olaf Mierheim & Dipl.-Ing. Michael Lange 
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Braunschweig 

Der Mars besitzt zwei kleine Monde (Phobos und Deimos), deren Entstehung mancherlei Rätsel aufgibt. Ihre Entstehung gleichzeitig mit dem Mars in der Frühzeit des Sonnensystems ist mit den beobachtbaren Fakten kaum in Einklang zu bringen; aber sie können auch kaum später eingefangene Asteroiden sein. Dieses Rätsel und manche andere  faszinierende Aspekte, zum Beispiel ihre Nützlichkeit als Steuerungsbasis für künftige Operationen auf der Marsoberfläche, machen Phobos und Deimos zu vielversprechenden zukünftigen Raumfahrtzielen. Eine Mission der japanischen Raumfahrtagentur JAXA sieht deshalb vor, die Oberfläche des inneren Mondes Phobos mit einem robotischen Fahrzeug (einem Rover mit etlichen wissenschaftlichen Instrumenten) detailliert zu erkunden. Die Entwicklung dieses Rovers, der schon bei einer Fahrgeschwindigkeit von einigen Zentimetern pro Sekunde im schwachen Schwerefeld des Phobos abheben würde, obliegt einem europäischen Konsortium mit maßgeblicher Beteiligung des DLR, auch der DLR-Wissenschaftler aus Braunschweig.  

Referent

  • Dipl.-Ing. Olaf Mierheim & Dipl.-Ing. Michael Lange, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Braunschweig

BepiColombo – Braunschweig ist unterwegs zum Merkur

14. November 2022

Dr. Daniel Heyner, 
Institut für Geophysik und extraterrestrische Physik, TU Braunschweig 

Der innerste Planet unseres Sonnensystems, der Merkur, ist bisher viel weniger von wissenschaftlichen Raumfahrzeugen erkundet worden als alle übrigen Planeten (außer Uranus und Neptun). Erst zwei Missionen, zwischen denen drei Jahrzehnte lagen, hatten ihn zum Ziel; und erst die zweite davon erreichte einen Orbit um den Planeten. Der Grund für diese spärliche Aufmerksamkeit ist die schwierige Erreichbarkeit. Wegen der großen Sonnennähe ist ein Transfer von der Erdbahn zur Merkurbahn außerordentlich energieaufwändig und ohne Swing-by-Manöver an Erde und Venus kaum zu realisieren. Jetzt jedoch ist die Mission „Bepi Colombo“, benannt nach dem 1984 verstorbenen Merkur-Experten Giuseppe Colombo, zum Merkur unterwegs und wird ihn Ende 2025 erreichen. Ein europäisches und ein japanisches Modul werden den Planeten dann aus unterschiedlichen Umlaufbahnen unter die Lupe nehmen und seine Geheimnisse ergründen, insbesondere sein Magnetfeld, das Aufschlüsse über den dichten Kern des Planeten liefern soll. Braunschweig ist mit den Magnetometern des TU-Instituts für Geophysik und extraterrestrische Physik an entscheidender Stelle mit dabei. 

Referent

  • Dr. Daniel Heyner, Institut für Geophysik und extraterrestrische Physik, TU Braunschweig

Sonnenforschung der extremen Art - Die Solar-Orbiter-Mission und erste neue Erkenntnisse

07. November 2022

Von keinem anderen Himmelskörper hängt das Leben auf unserer Erde so vollständig ab wie von der Sonne. Selbst minimale Schwankungen ihrer Strahlung beeinflussen unser Klima fundamental, und wir sollten deshalb die physikalischen Vorgänge auf ihrer Oberfläche und in ihrem Inneren unbedingt näher erforschen. Trotz dieser Bedeutung für die Menschheit ist die Sonne bis jetzt noch längst nicht so gründlich mit Raumfahrzeugen erkundet worden wie unsere Nachbarplaneten, weil die ungeheuren Temperaturen jede Annäherung extrem schwierig machen. Einen großen Schritt weiter bringt uns hier die europäische Sonnensonde „Solar Orbiter“, die in Kooperation mit der NASA im Februar 2020 gestartet wurde und sich gegenwärtig in großen Bahnschleifen immer näher an die Sonne „heranpirscht“. Dabei steigert sich die Neigung ihrer Bahnebene relativ zum Sonnenäquator immer mehr, um auch die Polregionen der Sonne in den Blick nehmen zu können, die wir von der Erde aus niemals sehen können. Schon heute sind die ersten Ergebnisse der Mission überaus vielversprechend. 

Referent

  • Dr. Joachim Woch, Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Göttingen

Asteroidengefahr und Asteroidenabwehr – zwischen Chicxulub und DART-Projekt

31. Oktober 2022

Die Geschichte der Planeten unseres Sonnensystems ist eine Geschichte von Einschlägen – von der Entstehung der Planeten vor viereinhalb Milliarden Jahren bis heute. Das gilt auch für unsere Erde. Zwar hat die Häufigkeit dieser Impakte, die anfangs immens hoch war, im Laufe der Zeit abgenommen, aber immer wieder haben einschlagende Asteroiden und Kometen die Erdgeschichte verändert. Das berühmteste Ereignis dieser Art war der Chicxulub-Einschlag vor 66 Millionen Jahren, der die Tierwelt der Kreidezeit (und damit des Mesozoikums) weitgehend auslöschte und die Erdneuzeit (das Känozoikum) einleitete. Auch heute sind erdbahnkreuzende Asteroiden eine latente Gefahr für die Menschheit, und daraus resultiert eine elementare Herausforderung für die Raumfahrttechnik: Können wir die Bahn potentiell gefährlicher Asteroiden frühzeitig so präzise bestimmen, dass es möglich wird, diese Körper durch aufschlagende Raumfahrzeuge oder durch angedockte Raketentriebwerke rechtzeitig aus der Bahn zu werfen? Das aktuelle DART-Projekt der NASA ist ein wichtiger Schritt auf diesem Wege. 

Referent

  • Prof. Dr. Joachim Block, Institut für Geophysik und extraterrestrische Physik, TU Braunschweig