Rückschau (Foto: ©Studierende der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften)

Rückschau

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Das Veranstaltungsarchiv

Neue Gedankenräume erobern.

Was bisher so bei uns los war:

Die "NewSpace" Invaders wie Unternehmer mit neuen Technologien das Weltall erobern wollen

03. Dezember 2018

Daniel Rothe vom GAIA Aerospace e.V. berichtet über die kühnen Strategien, mit denen private Unternehmen die Initiative in der Weiterentwicklung der Raumfahrt an sich reißen und den nationalen bzw. multinationalen Raumfahrtagenturen wie NASA oder ESA die Führungsrolle entwinden wollen.

Einen Satelliten in eine Erdumlaufbahn bringen oder gar eine Raumsonde in den interplanetaren Raum befördern? Das konnten bis zum 28. September 2008 nur von staatlichen Raumfahrtagenturen finanzierte Trägerraketen. Doch an diesem Tag brachte die amerikanische Firma SpaceX erstmals eine rein durch private Finanzierung entwickelte Rakete in den Orbit. So wurde durch die "Falcon 1" ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des "NewSpace" gesetzt - jene Branche der Raumfahrt außerhalb des Spektrums von staatlichen oder multinationalen Raumfahrtagenturen wie NASA oder ESA, die im letzten Jahrzehnt einen immer größeren Anteil an echten Projekten für sich erobert hat.

Spätestens seit der Erprobung wiederlandbarer Raketen ist klar, dass hier etwas völlig Neues entsteht: Wer hätte gedacht, dass es neben der "Wegwerfrakete" für den Einmal-Flug und dem aufwändigen Konzept des Space Shuttles noch eine dritte vielversprechende Alternative gibt? Und die Erfolge der privaten Raumfahrt häufen sich: Testflüge von Raumschiffen für den Weltraumtourismus, aufblasbare Module an der Internationalen Raumstation, private Startgelände für Raketen sind bereits Wirklichkeit. Von privaten Firmen durchgeführte Flüge zu Mond und Mars erscheinen zunehmend realistisch.Was haben die Unternehmen des "NewSpace" vor und vor welchen Herausforderungen stehen sie? Und welche Rolle spielen dabei Unternehmen außerhalb der USA - zum Beispiel in Europa?

Der Referent Daniel Rothe ist Vorsitzender des Braunschweiger Ortsvereins von GAIA Aerospace e.V., einem deutschlandweiten interdisziplinären Netzwerk von Studenten und Professionals. GAIA verfolgt das Ziel, zum zentralen Netzwerk der NewSpace-Branche in Europa zu werden und die Begeisterung für die Raumfahrt in die Bevölkerung zu tragen.

Referent

  • Daniel Rothe, GAIA Aerospace e.V., Braunschweig 

Sprünge auf einer kleinen Welt MASCOT und die Asteroidenmission Hayabusa-2

19. November 2018

Die große Bedeutung der Asteroiden ebenso wie die der Kometen für das Verständnis der frühen Entwicklung unseres Sonnensystems wurde lange Zeit unterschätzt. Deswegen dauerte es sehr lange, bis erstmals gezielte Missionen zur Erforschung dieser kleinen Körper im Sonnensystem geplant und durchgeführt wurden. Eines der spektakulärsten Projekte der Gegenwart ist die Reise der japanischen Raumsonde Hayabusa-2 zum Asteroiden 162173 Ryugu. Die Mission begann am 3. Dezember 2014 mit dem Start von Hayabusa-2 auf einer H-IIA-Rakete und erreichte nach fast vierjährigem Flug in diesem Herbst ihr Ziel. Das wichtigste Anliegen der Mission besteht darin, mit einem Probensammelrohr Oberflächenmaterial aufzunehmen und schließlich zur Erde zurück zu bringen. Dazu ist jedoch eine vorhergehende nähere Exploration der Oberfläche notwendig. Diese leistete das von den europäischen Partnern der Mission unter Führung des DLR entwickelte Landemodul MASCOT.
Am 3. Oktober 2018 wurde MASCOT von der Muttersonde ausgesetzt und hatte 20 Minuten später den ersten Bodenkontakt, genau im festgelegten Landegebiet. Anschließend bewegte sich MASCOT 17 Stunden lang mit Hilfe eines eingebauten Exzentermechanismus in Sprüngen über die wilde und zerklüftete Oberfläche des Asteroiden, machte hochaufgelöste Bilder und sammelte wissenschaftliche Daten, die es erlauben werden, die geplanten drei Probenentnahmestellen optimal auszuwählen.
Referentin Dr. Tra-Mi Ho leitet die Abteilung "Systementwicklung und Projektbüro" am Institut für Raumfahrtsysteme des DLR in Bremen. Sie ist verantwortliche Projektleiterin für MASCOT. Ihr wissenschaftliches Team arbeitet eng mit Partnerteams bei der französischen CNES (Nationales Zentrum für Weltraumforschung, Frankreich) und vor allem auch an der TU Braunschweig zusammen.

Referentin

  • Dr. Tra-Mi Ho, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Institut für Raumfahrtsysteme, Bremen

 

 

 

Aufbruch zum Merkur die BepiColombo-Mission

12. November 2018

Die Forschungsmission "BepiColombo" trägt ihren Namen nach Professor Giuseppe "Bepi" Colombo (1920-1984) von der Universität Padua, einem der führenden Merkur-Experten seiner Zeit. Er sagte unter anderem die merkwürdige 2:3-Resonanz zwischen Umlaufszeit und Rotationsdauer des Merkur vorher und entwickelte das Missionsprofil der ersten Merkurmission Mariner-10. Die Mission wurde am 20. Oktober 2018 nach langjährigen Vorbereitungen und mehreren Verzögerungen mit einer Ariane-5-Rakete von Kourou (Französisch-Guayana) aus gestartet und soll den Merkur im Dezember 2025 erreichen. Sie besteht eigentlich aus zwei Raumsonden, die für den Hinflug auf einer gemeinsamen Transferstufe mit einem überwölbenden Sonnenschild montiert sind. Dies sind der von der ESA betriebene "Mercury Planetary Orbiter" (MPO) und der von der japanischen Agentur JAXA beigesteuerte "Mercury Magnetospheric Orbiter" (MMO). Beide werden den Merkur auf Bahnen mit sehr verschiedener Exzentrizität umlaufen.
Ein Hauptaugenmerk der Wissenschaftler gilt dabei dem Magnetfeld und der Magnetosphäre des Merkur - und das bedeutet auch: seinem Eisenkern. Obwohl der Merkur der kleinste der terrestrischen Planeten ist, besitzt er den relativ dazu größten Eisenkern. Das weist darauf hin, dass die Verteilung der Elemente in Abhängigkeit von der Distanz zur Sonne bei der Akkretion der Planeten des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren eine bedeutende Rolle gespielt hat.
Messungen in planetaren Magnetfeldern sind ein Fachgebiet, in dem das Institut für Geophysik und extraterrestrische Physik der TU Braunschweig eine weltweit führende Position einnimmt. Das Institut - und vor allem auch Prof. Dr. Karl-Heinz Glaßmeier - waren und sind in diesem Forschungsbereich in zahlreiche internationale Raumfahrtmissionen eingebunden. So auch in die Mission BepiColombo, wo dem Wissenschaftspaket MERMAG eine Schlüsselaufgabe zukommt. Für das dort integrierte Instrument "MPO-Mag" ist das Institut für Geophysik und extraterrestrische Physik verantwortlich.

  • Referent: Prof. Dr. Karl-Heinz Glaßmeier, Technische Universität Braunschweig, Institut für Geophysik und extraterrestrische Physik

Ein Maulwurf geht dem Mars auf den Grund HP3 auf der NASA-Marsmission InSight

05. November 2018

Unser Nachbarplanet Mars ist ein besonders interessantes und für die Menschheit auch wichtiges Forschungsobjekt, weil seine Entwicklungsgeschichte tiefgreifende Rückschlüsse und Vergleiche mit der Entwicklung unserer Erde erlaubt. Zu den Schlüsselthemen gehört dabei die Frage, wann und warum der Mars den größten Teil seines Vorrats an Wasser verloren hat. Offensichtlich ist es verdunstet, weil die Atmosphäre durch den Sonnenwind erodiert und dadurch ausgedünnt wurde, was wiederum nur möglich war, weil kein starkes Magnetfeld die Partikel des Sonnenwinds mehr abhielt. Da die Erzeugung eines schützenden Magnetfelds im Kern eines Planeten unmittelbar mit dessen innerer Temperaturverteilung zusammenhängt, sind thermische Messungen im Untergrund besonders wichtig - und genau diese Messungen soll das Instrument HP3 nun vornehmen.
Die Mission "Insight" wurde am 5. Mai 2018 von der NASA gestartet und soll nach der Landung am 26. November mit seinen an Bord befindlichen Instrumenten dem Mars buchstäblich auf den Grund gehen. HP3 ist nur eines dieser Instrumente, aber deutsche Wissenschaftler beobachten es mit besonderer Aufmerksamkeit, denn es wurde beim DLR entwickelt.
Das DLR-Institut für Raumfahrtsysteme in Bremen hat das Instrument HP3 so konstruiert, dass es sich wie ein Maulwurf in den Marsboden hineinhämmert und dabei ein Kabel hinter sich herzieht, welches die Stromversorgung und gleichzeitig den Rückfluss der gemessenen Daten zum Landefahrzeug sicherstellt. Konstruktion und Erprobung dieses "Maulwurfs" stellten das Entwicklungsteam vor Herausforderungen ganz besonderer Art, über die im Vortrag eingehend berichtet wird.
Dipl.-Ing. Tom Spröwitz war bereits an einer Vielzahl von Raumfahrtprojekten maßgeblich beteiligt. Er leitet am DLR-Institut für Raumfahrtsysteme in Bremen die Abteilung Mechanik- und Thermalsysteme.


Referent

  • Dipl.-Ing. Tom Spröwitz, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Institut für Raumfahrtsysteme, Bremen

Die Entschleierung unserer Heimatgalaxie

22. Oktober 2018

die Milchstraße von Herschel über Hubble bis heute

Zum diesjährigen Auftakt der Veranstaltungsreihe Astroherbst laden das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Haus der Wissenschaft Braunschweig am 22. Oktober 2018 um 19 Uhr in die Aula des Haus der Wissenschaft ein. Professor Joachim Block, Leiter der DLR-Standorte Braunschweig und Göttingen, berichtet über die spannende Geschichte der Erforschung der Milchstraße, unserer Heimatgalaxie im Universum, in der unsere Sonne nur einer von einigen Hundert Milliarden Sternen ist und deren Gestalt sich erst der heutigen Astronomie voll erschließt.

Das den ganzen Nachthimmel umspannende leuchtende Band der Milchstraße hat die Menschen seit jeher fasziniert. Aber erst 250 Jahre nach der kopernikanischen Revolution erkannte Herschel, dass die Milchstraße eine riesige linsenförmige Ansammlung von Sternen ist, innerhalb derer sich unser eigenes Sonnensystem befindet. Die Vermessung ihrer Größe und die Bestimmung der Position unserer Sonne darin, wurde jedoch erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts möglich, nachdem Henrietta Leavitt eine Methode der absoluten Entfernungsmessung mittels bestimmter veränderlicher Sterne (Delta-Cepheiden) entwickelt hatte.

Die Entzentralisierung der Position der Sonne – und damit der Erde und des Menschen – im kosmischen Geschehen, machte weitere Fortschritte, als Edwin P. Hubble in den 1920er Jahren zeigen konnte, dass die sogenannten „Spiralnebel“ weit entfernte andere Galaxien sind und dass sie sich in kosmischem Maßstab voneinander entfernen. Gleichzeitig lernte die Astronomie die Entwicklung der Sterne zu verstehen. Gas- und Staubwolken, die mit schwereren Elementen als Wasserstoff angereichert sind, Spiralarme in den Galaxien und supermassive Schwarze Löcher in den galaktischen Zentren sind Folgen der Sternentwicklung.

Zum Schluss des Vortrags wird die kosmische Zukunft des Menschen ins Visier genommen: Wird die Milchstraße mit der Andromeda-Galaxie kollidieren? Wie wird sich die Sonne bis dahin entwickelt haben? Werden fernere Galaxien durch die kosmische Expansion irgendwann „außer Sicht“ geraten? Prof. Dr. Joachim Block leitet seit 2011 die Standorte Braunschweig und Göttingen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Zuvor war er viele Jahre lang verantwortlich für Entwicklung und Bau der Struktur des Kometenlanders „Philae“ der ROSETTA-Mission sowie für andere Bauelemente von Raumsonden. Daneben lehrt er seit 2005 am Institut für Geophysik und extraterrestrische Physik der Technischen Universität Braunschweig.

Referent: Prof. Dr. Joachim Block, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Institut für Geophysik und extraterrestrische Physik an der Technischen Universität Braunschweig

Die Mission CASSINI / HUYGENS zum Saturn Enthüllungen und Geheimnisse, Überraschungen und offene Fragen

04. Dezember 2017

Saturn mit seinen Ringen und zahlreichen Monden galt schon immer als einer der geheimnisvollsten Planeten unseres Sonnensystems. Nach den ersten Nahaufnahmen durch die Raumsonden VOYAGER-1 und -2 um 1980/81 hatte man einen ersten Eindruck davon gewonnen, was für unerwartete dynamische Phänomene in dieser Welt ablaufen. Zwischen 2004 und 2017 hat die NASA-Raumsonde CASSINI zusammen mit dem mitgeführten europäischen Lander HUYGENS für den großen Saturnmond Titan zahlreiche Entdeckungen gemacht: Die Feinstruktur der Saturnringe und der Aufbau des Planeten selbst wurden ebenso erforscht wie die Landschaft auf Titan, der sogar eine dichte Atmosphäre und "Gewässer" aus organischen Flüssigkeiten besitzt. Vor allem aber führte die Naherkundung der kleineren Saturnmonde zu sensationellen Erkenntnissen: Der zweite Saturnmond Enceladus besitzt unter einem Eispanzer einen tiefen Ozean flüssigen Wassers, welches durch Spalten im Eis nach oben dringt und in Form riesiger Geysire in den Weltraum geblasen wird. Die Energie hierfür stammt aus der Gezeitenreibung im Inneren des Enceladus, die den Ozean warm hält und vielleicht sogar heiße Quellen am Meeresgrund antreibt. Dadurch wird Enceladus zu einem "heißen" Kandidaten für einfaches außerirdisches Leben. Um ihn und die anderen Saturnmonde auf keinen Fall durch mitgebrachte irdische Mikroorganismen zu kontaminieren, ließ man die Raumsonde CASSINI nach dem Ende der Mission im September diesen Jahres gezielt in der Atmosphäre des Saturn verglühen.
Zum Referenten: Dr. Norbert Krupp hat nach einem Physikstudium an der Universität Kaiserslautern 1994 am Institut für Geophysik und extraterrestrische Physik der Technischen Universität Braunschweig promoviert. Nach einem Post-Doc-Aufenthalt an der John-Hopkins-Universität (USA) arbeitet er seit 1995 am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen an verschiedenen Planetenmissionen.

Referent

  • Dr. Norbert Krupp, Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Göttingen

Antarktis-Gewächshaus EDEN-ISS Vorbereitung für zukünftige Habitate auf Mond und Mars

13. November 2017

Der Langzeitaufenthalt von Menschen im Weltraum erfordert die Entwicklung neuer Technologien zur Erhaltung gesunder Umgebungsbedingungen, zur Handhabung von Abfällen sowie zur Bereitstellung von Wasser, Sauerstoff und Lebensmitteln. Zukünftige Forschungsbasen auf dem Mond oder dem Mars werden ohne solche Technologien auf keinen Fall auskommen, und auch in zukünftigen Raumstationen werden Biotechnologien unter Weltraumbedingungen eine Schlüsselrolle spielen.

Das internationale Projekt EDEN-ISS ist ein Markstein auf dem Wege dorthin. Landwirtschaftliche Anbausysteme unter vollständig kontrollierten Umgebungsbedingungen („Controlled Environment Agriculture“, CEA) sollen das üppige Gedeihen der Pflanzen auch in der Schwerelosigkeit oder unter reduzierter Schwere ermöglichen, Wasser regenerieren, Sauerstoff durch Photosynthese erzeugen und natürlich Nahrungsmittel erzeugen. Die Pflanzen wurzeln dabei in keinerlei Boden, sondern werden mit einer Nährlösung besprüht. Sie werden am Ende ebenso wie die Astronauten Teil eines geschlossenen regenerativen Systems sein.

Als Vorstufe dient ein Forschungsmodul, das „International Standard Payload Rack“ (ISPR) in Verbindung mit einem „Future Exploration Greenhouse“ (FEG). Die Technologie hierfür wird aktuell in einer mobilen Testanlage erprobt, die sich in der hochisolierten, vom Alfred-Wegener-Institut betriebenen Neumayer-Station III in der Antarktis befindet.

Ingenieur Daniel Schubert leitet das Team am Institut für Raumfahrtsysteme des DLR in Bremen, das diese Testanlage in der Antarktis betreibt.

Referent

  • Daniel Schubert, Institut für Raumfahrtsysteme, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Bremen

Dem Rätsel der Pioneer-Anomalie auf der Spur

06. November 2017

Die 1972 und -73 gestarteten Raumsonden Pioneer-10 und -11 waren die Vorläufer der berühmten beiden Voyager-Missionen, die zwischen 1979 und 1989 zum ersten Mal die Planeten und Monde des äußeren Sonnensystems aus der Nähe erkundet haben. Bei den vorausfliegenden Pioneer-Sonden ging es primär darum, die Technologie und die Bahnmanöver für die nachfolgenden Voyager-Sonden zu erproben; sie waren die ersten von Menschen gebauten Fahrzeuge, die das Sonnensystem für immer verließen. Bei ihrem Vorstoß in den interstellaren Raum wurde seit 1980 eine zunächst winzige Bahnabweichung festgestellt, deren Ursache viele Rätsel aufgab: War es die Gravitation eines unentdeckten Sonnenbegleiters oder gar eines schwarzen Loches? Konzentrationen dunkler Materie? Unbekannte Effekte der Raumzeit, die die Grundlagen der Allgemeinen Relativitätstheorie erschüttert hätten? Oder gab es doch eine bis dahin verborgene technische Ursache?
Ein von Professor Claus Lämmerzahl geleitetes Team am Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) der Universität Bremen war ein maßgeblicher Partner bei der international organisierten Suche nach der Lösung des Rätsels um die Pioneer-Anomalie. Dr. Benny Rievers, der an der Technischen Universität Braunschweig Luft- und Raumfahrttechnik studiert und in Bremen promoviert hat, war Mitglied dieses Teams und einer der Wissenschaftler, denen die Lösung schließlich gelang. Er konnte nachweisen, dass thermische Abstrahlung der Radioisotopenbatterie an Bord der Raumsonde einen winzigen Schub erzeugt, der über die extrem lange Flugzeit hinweg die Bahnabweichung erzeugt.

Referent

  • Dr.-Ing. Benny Riever, Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM), Universität Bremen

Wie ROSETTA unser Verständnis über die Entstehung der Planeten verbessert hat

23. Oktober 2017

Die 2016 abgeschlossene ROSETTA-Mission der europäischen Raumfahrtagentur ESA war eines der erfolgreichsten Projekte der Weltraumforschung in den letzten Jahrzehnten. Zum ersten Mal wurde ein aktiver Komet von einer Raumsonde nicht nur im Vorbeiflug passiert, sondern die Sonde blieb über viele Monate in der unmittelbaren Umgebung des Kometen, erforschte ihn aus nächster Nähe und setzte im November 2014 den Lander „Philae“ auf seiner Oberfläche ab. Braunschweiger Forschungsinstitute der Technischen Universität und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt waren maßgeblich an der Mission beteiligt.

Kometen haben bei der Bildung der Planeten vor viereinhalb Milliarden Jahren, insbesondere bei ihrer Anreicherung mit Wasser und organischen Molekülen, eine Schlüsselrolle gespielt. Die ROSETTA-Ergebnisse zeigen indessen, dass diese Rolle im Detail doch wesentlich anders aussah als man vorher gedacht hatte. Auch die Struktur der Kometen selbst unterscheidet sich recht erheblich von früheren Modellvorstellungen. Unser Wissen über die Prozesse im frühen Sonnensystem hat sich jedenfalls durch die ROSETTA-Mission erheblich verbessert.

Professor Jürgen Blum hat 1990 an der Universität Heidelberg in Physik promoviert und habilitierte sich 1999 an der Universität Jena. Dazwischen arbeitete er am Max-Planck-Institut für Kernphysik und am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik sowie am Naval Research Laboratory in Washington. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Planetenentstehung und der Sternenstaub. Seit 2003 ist Jürgen Blum Professor am Institut für Geophysik und extraterrestrische Physik der Technischen Universität Braunschweig

Referent

  • Prof. Dr. Jürgen Blum, Institut für Geophysik und extraterrestrische Physik, Technische Universität Braunschweig

Sternstunden der Raumfahrt – von gestern bis übermorgen

16. Oktober 2017

Einige der bedeutendsten "Sternstunden" der bisherigen Raumfahrtgeschichte sind nahezu allen Menschen bekannt, allen voran die erste bemannte Mondlandung 1969. Andere Pionierleistungen, wie die erste spektakuläre vor-Ort-Erkundung der äußeren Planeten durch die Voyager-Sonden oder der entscheidende Durchbruch, den das Hubble-Teleskop der astronomischen Forschung ermöglichte, sind wenigstens einem breiten fachlich interessierten Publikum bewusst. Aber wie sieht die Zukunft hinsichtlich solcher "Sternstunden" aus? Werden wir sie im 21. Jahrhundert erleben, oder wird sich der Fortschritt eher graduell in kleinen Schritten vollziehen?

Der Vortrag zeigt auf, dass die Forschung im Weltraum in einigen Bereichen höchstwahrscheinlich kurz vor entscheidenden Durchbrüchen steht, und dass es überhaupt keiner spektakulären Abenteuer-Trips von Einwegreisenden zum Mars bedarf, um die Raumfahrt wieder in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken. Die Suche nach extraterrestrischem Leben wird dabei eine Schlüsselrolle spielen.

Prof. Dr. Joachim Block leitet seit 2011 die Standorte Braunschweig und Göttingen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Zuvor war er viele Jahre lang verantwortlich für Entwicklung und Bau der Struktur des Kometenlanders "Philae" der ROSETTA-Mission sowie für andere Bauelemente von Raumsonden. Daneben lehrt er seit 2005 am Institut für Geophysik und extraterrestrische Physik der Technischen Universität Braunschweig.

Referent

Prof. Dr. Joachim Block (Foto: ©DLR)
Prof. Dr. Joachim Block
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Standortleitung Braunschweig / Göttingen

Von Geckos, Raketen und Hybriden Studentische Entwicklungen in der Raumfahrttechnik

29. November 2016

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, das Weltall zu erkunden? Die Mitglieder der ExperimentalRaumfahrt-InteressenGemeinschaft e.V. (ERIG) setzen diesen Traum in die Tat um. Die ERIG ist ein eingetragener studentischer Verein, der sich aus Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen der Technischen Universität Braunschweig zusammensetzt. Seit 1999 beschäftigt sich der Verein mit dem Entwurf, der Konstruktion und dem Bau von Experimentalraketen, Kleinsatelliten und Wetterballons. Mitglieder der ERIG stellen an diesem Abend ihren Verein und die Ergebnisse von zwei Projekten vor, die durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ausgeschriebenen wurden.

Zu Beginn des Abends informiert Tobias Stelzer über aktuelle Projekte und Entwicklungen von ERIG. Er verrät dem Publikum, womit die Studierenden zurzeit beschäftigt sind und wie sie ihre Raketen, Satelliten und andere Systeme kontinuierlich verbessern wollen. Johannes Becker berichtet dann über das STERN-Programm (Studentische Experimental-Raketen). Studierende bekamen hier unter anderem die Aufgabe, eine Experimentalrakete mit allen benötigten Startvorrichtungen zu planen, zu entwickeln und zu bauen. Lasse Maywald gibt Einblicke in das REXUS/BEXUS-Programm (Raketen- und Ballonexperimente für Universitätsstudenten), innerhalb dessen ein Experiment zum Flug auf einer Rakete entwickelt wurde, die im Februar 2017 starten soll. Das Experiment untersucht das Verhalten von sogenannten „Geckomaterialien“ unter weltraumähnlichen Bedingungen. Diese Materialien haften aufgrund ihrer Oberflächenstruktur an fast allen Feststoffen. Sie können zudem leicht ausgetauscht und wiederverwendet werden. Die Erkenntnisse können in der Zukunft bei der Beseitigung von Weltraummüll helfen.

Referenten

Team der ExperimentalRaumfahrt-InteressenGemeinschaft e.V. (ERIG)

Die ungleichen Geschwister der Erde Die Entwicklung der terrestrischen Planeten im Vergleich

14. November 2016

Unsere Erde und ihre terrestrischen Nachbarplaneten Mars, Venus und Merkur sind ebenso „Geschwister“ wie die weiter entfernten Gasplaneten des äußeren Sonnensystems. Alle zusammen sind sie vor 4,6 Milliarden Jahren durch Zusammenballung zahlloser zunächst kleiner, dann immer größerer Brocken in einer Gas- und Staubscheibe um die junge Sonne entstanden. Doch seitdem haben sie sich trotz einiger gemeinsamer Merkmale relativ unterschiedlich entwickelt, und wir können durch den Vergleich zwischen ihnen sehr wertvolle Erkenntnisse gewinnen. Ob eine Atmosphäre stabil bleibt oder nicht, ob sich ein Treibhauseffekt entwickelt, welche Bedeutung der Existenz eines planetaren Magnetfelds zukommt oder ob es Plattentektonik oder Vulkanismus gibt: Alle diese Fragen hat die Weltraumforschung der letzten Jahrzehnte für die junge Wissenschaft der „vergleichenden Planetologie“ erschlossen und lässt uns auch unseren Heimatplaneten viel besser verstehen als früher.

Referentin

Prof. Dr. Doris Breuer studierte, promovierte und forschte zunächst an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) in Münster und war Post-Doc an der University of Minnesota. Danach forschte und lehrte sie wieder an der WWU, vor allem über den inneren Aufbau der terrestrischen Planeten. Heute leitet Doris Breuer die Abteilung Planetenphysik im Institut für Planetenforschung des DLR in Berlin.

Das Finale der ROSETTA-Mission Für immer auf 67P/Churyumov-Gerasimenko

07. November 2016

Die ROSETTA-Mission der europäischen Raumfahrtagentur ESA, an der auch zahlreiche Wissenschaftler aus Braunschweig und Göttingen beteiligt sind, hat aufregende neue Erkenntnisse über Kometen und damit über die Frühgeschichte des Sonnensystems erbracht. Besonders aufschlussreich sind die Aufnahmen der Kamera OSIRIS, die die bizarre Form des Kometen 67P / Churyumov-Gerasimenko und zahllose überraschende Details auf seiner Oberfläche offenbaren. Am 30. September endete die Mission mit einem spektakulären Finale: Das Raumfahrzeug wurde direkt auf der Oberfläche des Kometen abgesetzt, nachdem in der Phase der Annäherung noch eine große Menge von Aufnahmen und Messdaten aus nächster Nähe gewonnen werden konnte. Wenige Wochen zuvor war auf einer Aufnahme der OSIRIS-Kamera auch der Lander PHILAE wiederentdeckt worden, der nach seiner Landung im November 2014 in einer dunklen Spalte zur Ruhe gekommen war, aber trotz dieser ungünstigen Position noch viele wertvolle Daten hatte übertragen können. 

Referent

Dr. Carsten Güttler ist einer der verantwortlichen Wissenschaftler für die Kamera OSIRIS auf der Raumsonde ROSETTA. Er hat zunächst am Institut für Geophysik und extraterrestrische Physik der Technischen Universität Braunschweig geforscht und arbeitet jetzt am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen.

Vom Urknall zur grenzenlosen Inflation Wie man die moderne Kosmologie vermitteln kann

24. Oktober 2016

Wir wissen heute mehr über die Entwicklung der Welt, in der wir leben, als alle Generationen vor uns. Dennoch erschließt sich dieses Wissen vielen Menschen nur unvollkommen, weil man sich dazu räumliche und zeitliche Dimensionen vorstellen muss, die um so viele Größenordnungen über unsere Alltagserfahrung hinausgehen, dass die normale Anschauung meist versagt. Durch geeignete Modellbildungen kann man jedoch eine Vorstellung davon erlangen, wie unser Universum im Großen strukturiert ist, wie es vor ungefähr 13,7 Milliarden Jahren entstanden ist und welchem Schicksal es langfristig entgegengeht, wenn seine Bestandteile immer schneller auseinandertreiben. Der Zeitabschnitt, in dem lebentragende Planeten möglich sind, erscheint dabei nur als ein Intervall in einer viel längeren kosmischen Geschichte. Die Frage, warum unsere Naturgesetze Konstanten aufweisen, die gerade eine solche Welt ermöglichen, wird ebenfalls diskutiert.

Referent

Professor Joachim Block leitet die Standorte Braunschweig und Göttingen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und lehrt auch am Institut für Geophysik und extraterrestrische Physik der Technischen Universität Braunschweig. Er ist von Haus aus Physiker und war an zahlreichen Raumfahrtprojekten beteiligt, darunter an der Kometenforschungsmission ROSETTA.

Warum gibt es mehr Weltraummüll als Satelliten? Space Debris und seine Quellen

17. Oktober 2016

Obwohl der Weltraum endlos groß und sehr leer ist, drängen sich fast alle Raumfahrzeuge der Menschheit in einem engen Bereich in der unmittelbaren Umgebung unserer Erde zusammen; und selbst Raumsonden, die weiter entfernte Ziele ansteuern, müssen doch zunächst durch diesen erdnahen Bereich hindurch. Hier haben sich im Laufe der Jahre unzählige Trümmerteile (Space Debris) angesammelt, von ausgedienten Raketenstufen und Satelliten über losgelöste Einzelteile bis zu mikroskopisch kleinen Partikeln. Angesichts der hohen Geschwindigkeiten auf Erdumlaufbahnen werden bei Kollisionen sehr hohe Energien frei und drohen intakte Satelliten zu zerstören. Die Registrierung und Verfolgung wenigstens der größeren Partikel ist schon jetzt eine internationale Sysiphusaufgabe. In Zukunft müssen aktive Maßnahmen ergriffen werden, um z.B. ausgediente Satelliten zum Verglühen in der Erdatmosphäre zu bringen oder sie mittels Robotern einfangen und aus ihren Orbits entfernen zu können. Das Institut für Raumfahrtsysteme der Technischen Universität Braunschweig ist führend an diesen Entwicklungen beteiligt.

Referent

Prof. Dr.-Ing. Enrico Stoll war vor und nach seiner Promotion an der Technischen Universität München in einigen weltweiten Forschungsaufenthalten engagiert und auch Systemingenieur bei der Firma RapidEye. Seit 2014 leitet er als Professor das Institut für Raumfahrtsysteme an der Technischen Universität Braunschweig.