Besserwisser-Artikel (Foto: ©Klartext Verlag, Friedeberg)

Besserwisser-Artikel

Besserwisser-Artikel

für Jung und Alt

Neue Gedankenräume erobern.

Besserwisser

Unser Alltag steckt voller Rätsel und spannender Fragen: Forscherinnen und Forscher erklären in kurzen Texten leicht verständlich, was es mit Phänomenen aus Wissenschaft und Alltag auf sich hat – und halten dabei die eine oder andere überraschende Erklärung - auch für Erwachsene - bereit.

Was ist Schlafwandeln?

Nachts schlafend herumlaufen, die Küche putzen oder im Schlaf die Spielsachen sortieren? Bei diesen oder anderen Aktivitäten aus dem Schlaf heraus, handelt es sich um Schlafwandeln.

Solche komplexen Handlungen sind allerdings sehr selten, erklärt Dr. Sonja Hengst, Fachärztin für Neurologie am Städtischen Klinikum Braunschweig. „Meistens tritt nur eine leichte Form des Schlafwandelns auf. Betroffene setzen sich dabei im Bett auf oder schauen mit offenen Augen umher. Hierbei handelt es sich um eine Aufwachstörung des Gehirns, d.h. dass das Gehirn nicht vollständig aufwacht. Daher sind die Bewegungen eingeschränkt, man erinnert sich nicht und die Reaktion auf äußere Reize ist stark vermindert oder fehlt komplett. Deshalb reagieren Schlafwandler oft auch nicht, selbst wenn du sie mit ihrem Namen ansprichst. Schätzungsweise sind ca. 15-30 % der Kinder schon einmal schlafgewandelt, nach dem 10. Lebensjahr nimmt dies aber deutlich ab. Nur 1 % sind noch im Erwachsenenalter betroffen. Warum es zum Schlafwandeln kommt, ist nicht abschließend geklärt. Vermutet wird aber, dass es mit dem Reifegrad des Gehirns und einer erblichen Veranlagung zusammenhängt. Aber auch Stress oder Schlafentzug können ein Auslöser sein.“

Trifft man auf schlafwandelnde Personen, sollte man sie nicht aufwecken. Sie können sich sonst erschrecken oder aggressiv werden. Am besten ist es, sie durch ruhiges Ansprechen oder leichte Berührungen zurück ins Bett zu bringen, dort schlafen sie dann meist weiter.

Autor*in: Jamila Ragus
(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 20.02.2021)

Rückschau

Trinken Delfine Meerwasser?

13.02.2021

Delfine sind in ihr ganzes Leben von Wasser umgeben. Aber dieses Wasser ist bis auf wenige Ausnahmen Meerwasser – also viel zu salzhaltig. Es ist damit das falsche Wasser zum Trinken. Denn genauso wie wir Menschen können Delfine dieses Wasser nicht vertragen.

Wie können sie also genug Wasser aufnehmen und dafür sorgen, dass sie nicht verdursten?

Die Antwort ist verblüffend. Die Tiere trinken kein Wasser. Sie nehmen das benötigte Wasser aus der Nahrung auf. Sie essen zum Beispiel Fisch. Denn Fische enthalten wenig Salz. Fische können in ihren Kiemen das Wasser so verändern, dass es weniger Salz enthält. Durch spezielle Chloridzellen pumpen sie das Salz einfach wieder ins Meerwasser.

Außerdem hat man festgestellt, dass Delfine ihren Urin mithilfe der Nieren konzentrieren können. Sie geben also nur sehr wenig Wasser ab. Zudem können sie nicht schwitzen. Sie verlieren also auch dadurch kein Wasser nach außen.

Der Körper der Delfine besteht aus sehr viel Fett. Denn sie speichern Fett und sorgen dafür, dass dies später verwendet werden kann. Meeressäuger wie Delfine können ähnlich wie Kamele aus diesen Vorräten nicht nur Energie, sondern auch Wasser gewinnen.

So können sie auf diese Trinkvorräte immer zugreifen, ohne Süßwasser zu trinken.

Autor*in: Andrea Behrens
(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 13.02.2021)

Wie bekommen wir einen Ohrwurm?

06.02.2021

Bestimmt kennst du das auch, ganz unerwartet bleibt ein Lied oder eine Melodie in Gedanken „kleben“ und läuft auf Dauerschleife im Kopf. Bei so etwas sprechen wir von einem Ohrwurm. Tatsächlich bekommen laut einer britischen Studie ca. 90 Prozent der befragten Personen einmal pro Woche einen Ohrwurm, aber wie kommt es dazu?

Ob wir einen Ohrwurm bekommen, hängt von mehreren Faktoren ab, erklärt Isabell Bötsch vom Institut für Musik und ihre Vermittlung an der TU Braunschweig. „Ein Ohrwurm entsteht oftmals in Situationen, in denen wir nicht so viel nachdenken und unser Kopf leer ist. Natürlich sind nicht alle Personen gleich anfällig für Ohrwürmer. Eine Erklärung hierfür ist, dass z.B. Menschen mit viel Phantasie schneller einen Ohrwurm bekommen. Aber auch die Eigenschaften des Liedes spielen eine Rolle.

Ohrwürmer bestehen häufig aus Melodien mit kleinen Intervallen, also kleinen Abständen zwischen den einzelnen Tönen. Auch wenn ein Lied aus vielen Wiederholungen besteht oder wir das Lied sehr häufig gehört haben, ist es wahrscheinlicher, dass es uns im Kopf bleibt.“ Kinderlieder wie „Bruder Jakob“ oder „Alle meine Entchen“ sind gute Beispiele hierfür.

Normalerweise geht ein Ohrwurm mit etwas Zeit ganz von allein weg. Es kann aber helfen, sich eine Aufgabe zu suchen, die viel Konzentration fordert. Zum Beispiel könnte man Schach spielen oder Rätsel lösen. So hat das Gehirn weniger Kapazitäten, um sich mit dem Ohrwurm zu befassen, und man wird ihn schneller los.

Autor*in: Jamila Ragus
(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 06.02.2021)

Mit dem Schweizer Käse-Modell gegen das Coronavirus

19.12.2020

Momentan beschäftigen wir uns alle sehr viel mit der Corona-Pandemie. Das Virus SARS-CoV-2 verbreitet sich stark und viele Menschen stecken sich damit an. Um diese Ausbreitung zu verhindern, gibt es eine Reihe an Schutzmaßnahmen. Aber was haben die mit einem Schweizer Käse zu tun?

Virologin Prof. Dr. Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung und der TU Braunschweig erklärt: „Das Käsescheiben-Modell beschreibt unsere Verteidigungsstrategie gegen das Virus, welche folgendermaßen aufgebaut ist: Zwischen dem Coronavirus und einem Menschen, der sich infizieren kann, befinden sich hintereinander aufgestellt mehrere Scheiben Schweizer Käse mit seinen typischen Löchern. Jede Käsescheibe stellte eine andere Schutzmaßnahme dar. Dazu zählen: Abstand halten, Lüften, Maske tragen, Hände waschen, Oberflächen reinigen, schnelles und sensitives Testen, und die Kontaktnachverfolgung. Doch keine Maßnahme für sich allein ist 100%ig sicher und kann das Virus aufhalten. In diesem Modell sind diese Unvollkommenheiten die Löcher im Schweizer Käse.“ Legt man aber viele Käsescheiben hintereinander, dann kommt das Virus irgendwann nicht mehr weiter, da die Löcher häufig an verschiedenen Stellen liegen. Nur die Kombination mehrerer Maßnahmen kann die Ausbreitung des Virus aufhalten.

Wenn ihr noch mehr Details zu dem Käsemodell und den Schutzmaßnahmen bekommen möchtet, schaut mal bei YouTube nach: youtu.be/HTf0GaCyT6U.

Autor*in: Jamila Ragus
(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 19.12.2020)

Was ist das Besondere am Weihnachtsstern

12.12.2020

Der Weihnachtsstern ist zurzeit in jedem Blumenladen zu finden und bereichert so manche Dekoration in der Adventszeit. Seine roten blütenähnlichen Blätter passen bestens zu der Weihnachtszeit. Es gibt ihn auch in Weiß, vielen Rosatönen und sogar gefleckt. Aber was leuchtet da so rot bei den meisten Weihnachtssternen?

Die roten Blätter sind Hochblätter. Wenn du genauer hinschaust, siehst du, dass die eigentlichen Blüten winzig klein sind. Es gibt lippenförmige Nektarien, männliche Blüten mit einem Staubblatt und weibliche Blüten mit einem Fruchtknoten. Die Einzelblüten sind in Blütenständen angeordnet. Die Pflanze kommt ursprünglich aus Mexiko und war schon bei den Azteken beliebt. In der Heimat kann sie bis zu vier Meter groß werden.

Der Sage nach sind die roten Blätter aus den Blutstropfen einer verliebten aztekischen Göttin entstanden. Die Liebe scheint nicht glücklich gewesen zu sein. Die berühmte Pflanze hat noch eine Besonderheit: Sie kann nur blühen, wenn sie 6 bis 8 Wochen jeden Tag über 12 Stunden im Dunkeln ohne den geringsten Lichteinfall verbracht hat. Kurztagsblüher nennt man solche Pflanzen.

In der Natur werden die Weihnachtssterne von Insekten und Kolibris bestäubt. Der Weihnachtsstern enthält außerdem den für die Wolfsmilchgewächse typischen weißen Milchsaft, der leicht giftig ist.

Autor*in: Andrea Behrens
(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 12.12.2020)

Wie entstehen Planeten?

05.12.2020

In unserem Sonnensystem gibt es acht Planeten, einer davon ist unsere Erde. Planeten sind kugelförmige Himmelskörper. Aber wie entstehen sie eigentlich?

Dr. Bastian Gundlach vom Institut für Geophysik und extraterrestrische Physik an der TU Braunschweig erklärt: „Im Weltraum gibt es kalte Molekülwolken, das sind Wolken aus Gas und Staub. Wenn eine dieser Wolken kollabiert, also in sich zusammenfällt, entsteht aus 99 Prozent der Wolke ein Stern. Um diesen herum kreist der Rest der Wolke, die sogenannte protoplanetare Scheibe.

Die Staubteilchen in ihr sind ca. einen Mikrometer groß, das heißt, sie sind viel kleiner als ein menschliches Haar. Die Staubteilchen können sich durch Zufall berühren und bleiben aneinander haften. Dies passiert immer wieder, bis sich Staubklumpen mit ca. einem Millimeter Größe gebildet haben. Diese Staubklumpen können wiederum aufeinandertreffen, aber nicht weiter durch direkte Stöße wachsen, da sie zu schnell zusammenstoßen.

Sammeln sich aber genug Staubklumpen an einer Stelle, kollabieren sie auch, und es bilden sich einen bis zehn Kilometer große Körper. Diese nennt man Planetesimale. Treffen sich Planetesimale oder größere Körper, kollidieren sie mit sehr großen Geschwindigkeiten. Dabei entstehen dann Planeten.“

Damit ein Körper im Weltraum als Planet bezeichnet wird, muss er seine Bahn „bereinigt“ haben. Das bedeutet, dass es keine anderen Staubklumpen, Planetesimale etc. mehr in seiner Umlaufbahn gibt. Ein Planet wächst dementsprechend auch nicht mehr.

Autor*in: Jamila Ragus
(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 05.12.2020)

weitere im KinderWissen-Archiv