Astroherbst (Foto: ©Taneli Lahtinen, unsplash.com)

Astroherbst

Neue Gedankenräume erobern.

Astroherbst

Fast kein Tag vergeht, an dem nicht neue extrasolare Planeten entdeckt werden, dabei immer häufiger auch erdähnliche. Raumsonden liefern uns faszinierende Bilder fremder Welten, und mit Weltraumteleskopen blicken wir bis in die kosmische Frühzeit zurück. Kaum eine wissenschaftliche Disziplin hat unser Weltbild so grundlegend beeinflusst wie die Astronomie. Immer wieder haben neue Entdeckungen den Menschen dazu gebracht, sein Verständnis des Universums zu revidieren.

Gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) präsentiert das Haus der Wissenschaft Braunschweig spannende Vorträge von renommierten Expert*innen, die allgemeinverständliche Einblicke in ihre Wissenschaftsbereiche geben:

Der für uns wichtigste Stern im ganzen Universum ist unsere eigene Sonne – was werden wir durch die Mission Solar Orbiter über sie lernen? Welche neuen Ziele haben wir fünfzig Jahre nach Apollo 11 auf dem Mond? Was wissen wir über das Innenleben unserer Nachbarplaneten Mars und Venus, und welche Entdeckungen hat uns die Asteroidenmission DAWN gebracht? Wie schnell die Zeit verstreicht, hängt vom lokalen Schwerefeld ab – können wir die phantastischen Effekte der Relativitätstheorie auch praktisch nutzen?

Die Vortragsreihe "Astroherbst" geht diesen und weiteren Fragen auf den Grund. Wie immer bleibt im Anschluss an die Vorträge genügend Zeit, Fragen zu stellen und das Gehörte zu diskutieren.

Achtung: Der Astroherbst fällt auch 2021 aufgrund der anhaltenden Coronapandemie aus. Wir sehen uns in 2022!

Ungleiche Geschwister der Erde das Innenleben von Mars und Venus

2. Dezember 2019

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Astroherbst laden das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Haus der Wissenschaft Braunschweig am 2. Dezember 2019 um 19 Uhr in die Aula des Haus der Wissenschaft ein. Dr. Ana-Catalina Plesa vom Institut für Planetenforschung des DLR in Berlin berichtet über die Erforschung des inneren Aufbaus der terrestrischen Planeten, insbesondere unserer beiden Nachbarplaneten Mars und Venus. Deren Vergleich mit unserer Erde führt zu sehr aufschlussreichen Erkenntnissen. Obwohl sie gleichzeitig und durch denselben Prozess entstanden sind, haben Unterschiede im inneren Aufbau dieser drei Planeten und der verschiedene Abstand zur Sonne dazu geführt, dass sie sich seit ihrer Entstehung vor 4,55 Milliarden Jahren geologisch, hydrologisch und klimatisch völlig anders entwickelt haben.

Auf den ersten Blick scheinen Venus, Erde und Mars Geschwister zu sein. Alle drei sind in einer planetaren Akkretionsscheibe um die junge Sonne durch relativ schnelle Zusammenballung zahlloser kleiner Materiebrocken entstanden – ein Vorgang, den man mittlerweile mit Weltraumteleskopen an zahlreichen  fernen Sternen, die heute jung sind, beispielhaft beobachten kann. Venus und Erde sind sogar fast gleich groß, nur der Mars ist kleiner. Dabei ist die Erde kurz nach ihrer Bildung noch mit einem anderen marsgroßen Protoplaneten kollidiert, wobei der Mond entstand und die Erdachse um 23 Grad gekippt wurde. Entscheidend für das weitere Schicksal der Planeten war nicht nur ihre Entfernung zur Sonne und damit das Maß der empfangenen Sonnenstrahlung, sondern auch die Frage, ob Konvektionsströme in dem Eisenkern in ihrem Inneren zur Bildung eines Geodynamos und damit eines schützenden Magnetfeldes geführt haben oder nicht. Ein solches Magnetfeld, wie die Erde es besitzt, hindert die Partikel des Sonnenwindes daran, die Planetenoberfläche zu erreichen und die Atmosphäre zu erodieren.
Auf dem Mars könnte das Fehlen bzw. das frühzeitige Verschwinden eines starken Magnetfeldes die Ursache dafür sein, dass die Atmosphäre heute sehr dünn ist und der größte Teil des ursprünglich vorhandenen Wassers verdunstet und dann in den Weltraum entwichen ist. Heute ist der Mars ein Wüstenplanet – obwohl allenthalben die Spuren einstmals großer Wasserströme noch sichtbar sind. Auf der Venus beobachten wir hingegen einen höllischen Treibhauseffekt, dessen Entstehung wir unbedingt näher studieren sollten, um etwas über die Anfänge derartiger Entwicklungen zu lernen – gerade auch im Hinblick auf unseren Heimatplaneten.
Dr. Ana-Catalina Plesa ist Wissenschaftlerin in der Abteilung Planetenphysik des Instituts für Planetenforschung des DLR in Berlin-Adlershof. Ihre Forschungsarbeiten stützen sich auf die Messergebnisse und Bilder zahlreicher interplanetarer Raumsonden und Lander, mit denen Raumfahrtagenturen wie NASA und ESA unsere  Nachbarplaneten erforschen.

Referentin

  • Dr. Ana-Catalina Plesa, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Institut für Planetenforschung, Berlin