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Tatsachen? Forschung unter der Lupe

Erdöl adieu! Alles grün, alles gut?

Diskussion
Donnerstag, 23.03.2017, 19 Uhr (Ende ca. 20:30 Uhr)
Raum Veolia, 5. Stock

Eintritt frei

Ausführliche Information

Der Siegeszug des Erdöls begann vor etwa 150 Jahren – zunächst löste es in Form von Petroleum das Walöl als Brennstoff für Lampen ab. Und sehr schnell wurde es der Treibstoff der jungen, boomenden Automobilindustrie – das ist bis heute seine Hauptrolle. Aber wir verfeuern Erdöl nicht nur, es ist auch einer der wichtigsten Rohstoffe der Industrie. Ein Großteil der Produkte des modernen Lebens basieren auf dem Schwarzen Gold: Kunststoff, Textilien, Medikamente, Bau- und Dämmstoffe, Verpackungen, Putzmittel, Kosmetika. Erdöl aber ist eine endliche Ressource – und eine, die den Klimawandel befördert. Daher müssen wir Alternativen finden.

Die Wirtschaft soll sich erneuern, soll weg von fossilen, hin zu erneuerbaren Rohstoffen – so der Wille der Bundesregierung. Künftig könnten beispielsweise die Autoreifen aus Löwenzahn-Gummi hergestellt werden, der Kunststoff aus Kaffeesatz, und Essensbestandteile aus Algen. Nur drei Beispiele für das Ziel, künftig alle Produkte des modernen Lebens nach und nach aus Pflanzen, Mikroorganismen und Algen zu erzeugen. Außerdem soll dadurch auch die weltweite Ernährung langfristig gesichert werden und das Ungleichgewicht zwischen ressourcenreichen und –armen Ländern beendet werden.

Jörg Overmann, Geschäftsführer der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen, sieht vor allem im Einsatz von Bakterien enormes Potenzial: „Bakterien bieten eine enorme Artenvielfalt, die wir zum größten Teil noch gar nicht kennen.“ Die entdeckten wie noch unentdeckten Einzeller stellen einen genetischen Schatz für die Biotechnologie dar, der neuartige Fertigungsprozesse möglich machen wird.

Die Umstellung auf nachwachsende Rohstoffe ist eine gewaltige Aufgabe, bei der auch Fehler passieren können. Im Bereich Energie hat in der jüngeren Vergangenheit ein Zuviel an politischer Förderung dazu geführt, dass Bauern vermehrt Mais zur Biogas-Erzeugung angebaut haben. Dadurch kam es zur Konkurrenz von Nahrungs- und Energieerzeugung. Den richtigen Weg zu finden, ist schwierig, wie Folkhard Isermeyer, Chef des Thünen-Instituts betont. Um ihn zu finden, hat das Bundesforschungsministerium 2009 den sogenannten Bioökonomierat eingesetzt, ein Expertengremium aus Wissenschaftlern, Biotechnologen und Ökonomen. Der Rat soll Strategien für die Umstellung der Wirtschaft entwickeln und seine Erkenntnisse auch für die Öffentlichkeit aufbereitet.

Die Politik muss dann die Weichen stellen, fordert Martina Kolarek, Referentin für Bioökonomie beim Naturschutzbund. Das tut sie vor allem durch Forschungsförderung und direkte Förderung gewünschter Prozesse und Produkte. Kolarek, die sich schon lange mit dem Thema beschäftigt, bezweifelt jedoch, dass eine Umstellung der derzeitigen Wirtschaft auf natürliche Rohstoffe eins zu eins gelingen kann. „Letztlich kommen dann die Rohstoffe aus dem Boden. Bei dem derzeitigen Ressourcenbedarf werden wir wieder Nutzungskonflikte haben und wir laufen Gefahr, die Böden zu überfordern“, sagt Kolarek. Und am Ende muss diese biobasierte Wirtschaft auch konkurrenzfähig sein – und zwar in einer globalisierten Welt.

„Es nützt nichts, Strafsteuern auf fossile Rohstoffe zu erheben“, sagt Folkhard Isermeyer. Damit würde man nur energieintensive Industrien aus dem Land drängen, die diese Produkte im Ausland produzieren und „wir würden sie wieder importieren“, so Isermeyer. „Wir brauchen daher ein international abgestimmtes und leicht kontrollierbares Vorgehen.“

Der Abschied vom Erdöl ist eine gewaltige Aufgabe, die auch die Mithilfe jedes Einzelnen erfordert. Denn es ist fraglich, ob wir einfach so weiter machen können, wie bisher, glaubt Martina Kolarek.

Im Haus der Wissenschaft haben Sie die Möglichkeit mit den Experten darüber zu diskutieren.

Diskussion mit

Prof. Dr. Folkhard Isermeyer
Präsident des Thünen Instituts und Mitglied im Bioökonomierat

Sein Statement: "Solange unsere Wirtschaft auf fossilen Ressourcen basiert, ist sie nicht nachhaltig. Der Umbau zu einer biobasierten Wirtschaft führt allerdings nicht automatisch zu einem nachhaltigen Wirtschaftssystem, sondern nur, wenn dieser Umbauprozess politisch klug gesteuert wird."

Prof. Dr. Jörg Overmann

Prof. Dr. Jörg Overmann
Leiter des Leibniz-Institut DSMZ, der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen

Sein Statement: "Das Potenzial von Mikroorganismen ist noch längst nicht ausgeschöpft in Bezug auf neue Aktivitäten und hochwertige Produkte"


Martina Kolarek

Referentin für Bioökonomie, NABU – Naturschutzbund Deutschland e. V.

Ihr Statement: "Es ist nicht möglich, alle erdölbasierten durch biobasierte Rohstoffe zu
ersetzen. Biologische Ressourcen stehen uns weder räumlich noch zeitlich unbegrenzt zur Verfügung. Sie sind in erster Linie Lebensraum und Nahrungsquelle für Pflanzen, Tiere und Menschen"

Moderation

Jens Lubbadeh
Wissenschaftsjournalist

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