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Tatsachen? Forschung unter der Lupe

Zwischen Ökologie und Ökonomie - stimmt die Bewirtschaftung unserer Wälder?

Diskussion
Donnerstag, 01.09.2016, 19 Uhr (Ende ca. 20:30 Uhr)
Aula

Eintritt frei

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Der Wald ist für die Deutschen nicht nur eines der liebsten Stücke Natur, er ist auch ein Stück Identität. Die Erwartungen an ihn sind hoch und sehr unterschiedlich: Der Wald soll den Menschen einerseits als Ort der Erholung dienen. Andererseits soll er ein zu schützendes Ökosystem sein, das Heimat für viele Tiere und Pflanzen ist und unsere Luft und unser Wasser sauber hält. Und dann ist er auch noch ein Wirtschaftsfaktor, Holz ist eine begehrte Ressource, an der Holzwirtschaft hängen rund eine Million Arbeitsplätze.

All diesen Erwartungen gerecht zu werden, das passt bei vielen nicht in die romantische Vorstellung des natürlichen, unberührten Waldes. Der Wald ändert sich ständig und er muss gepflegt und verjüngt werden, wenn man Holz als Ressource nutzen will. Dass das ausgewogen passiert, das ist Christiane Lorenz-Laubners Aufgabe, sie ist Försterin am niedersächsischen Forstamt Lauterberg. Allerdings beobachtet sie eine auffallende Diskrepanz in der Erwartungshaltung an den Wald: „Auf der einen Seite haben viele Leute den starken Wunsch nach einem ökologischen Leben und wollen Holz als Baustoff nutzen. Auf der anderen Seite aber sehen es Leute oft ungerne, wenn im Wald Bäume gefällt werden.“

Dabei ist eine Waldnutzung, wenn sie nachhaltig geschieht, verträglich. Hier hat man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, meint Professor Matthias Dieter, Leiter des Thünen-Instituts für Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie in Hamburg. „Früher wurde der Wald ausgenutzt.“ Seit den Zeiten der alten Germanen sind Deutschlands Bewohner teilweise recht radikal mit dem Wald umgegangen, wobei sich die Nutzung über die Jahrhunderte geändert hat: „Früher war Holz vorwiegend Brennstoff. Und Waldlichtungen wurden als Viehweide genutzt, damit die Tiere die Waldfrüchte essen konnten“, sagt Professor Andreas Bolte, Leiter des Thünen-Instituts für Waldökosysteme in Eberswalde. Insbesondere seit dem Mittelalter wurde Kahlschlag ausgeübt, viele Waldflächen verschwanden.

Die Industrialisierung tat dann ihr Übriges. „Noch mehr Holz wurde als Brennstoff genutzt, bis man letztlich auf Kohle umschwenkte“, sagt Dieter. Anfang des 19. Jahrhunderts war die Waldfläche Deutschlands auf einem Tiefstand angelangt. Kahle wüste Flächen prägten die Landschaft. Schon zuvor, Anfang des 18. Jahrhunderts, begann langsam ein Umdenken, die Idee der nachhaltigen Nutzung des Waldes entstand. Nach und nach erholten sich die Wälder wieder, die Waldflächen nahmen zu, der Zweite Weltkrieg war hierbei allerdings ein erneuter Rückschritt.

Das ändert sich aber seit Jahrzehnten. „Seit den 80er des 20. Jahrhunderts ist die Waldnutzung zunehmend nachhaltiger geworden“, sagt Bolte. Vorbei sind die Zeiten des sauren Regens und des Waldsterbens, strengere Umweltauflagen an die Industrie haben sich bewährt. Das Resultat kann man messen: Laut der letzten Bundeswaldinventur aus dem Jahr 2012 ist Deutschland zu einem Drittel bewaldet, das Durchschnittsalter der Bäume ist um 4,5 Jahre im Vergleich zur letzten Inventur aus dem Jahr 2002 auf 77 Jahre gestiegen, die Bäume werden immer dicker und der Anteil der Laubbäume nimmt zu.

Damit ist das Verhältnis von Laubbäumen zu Nadelbäumen in Deutschland bei etwa 50:50 angelangt, sagt Matthias Dieter. Vier Arten dominieren den deutschen Wald: Fichte und Kiefer sowie Buche und Eiche. Und sie verdeutlichen auch den Spagat zwischen Ökologie und Ökonomie. „Für die Industrie ist das Holz von Nadelbäumen eher interessant“, so Dieter. „Aber für die Umwelt sind Laubbäume von Vorteil, weil sie eher für Luft- und Wasserklärung sorgen.“

Doch auch wenn der deutsche Wald besser dasteht im Vergleich zu den 80ern – neue Herausforderungen stellen sich: „Aus Verkehr und Landwirtschaft kommt zuviel Stickstoff in die Wälder“, sagt Bolte. Und: „Wir wissen noch nicht, wie sich der Klimawandel auf die Bäume auswirken wird“, sagt Christiane Lorenz-Laubner. „Welche Art wird der zunehmenden Trockenheit am besten trotzen? Oder den neue Schädlingsarten, die zu uns kommen werden?“ Die beste Versicherung für die Zukunft, da sind sich alle drei einig, ist, auf eine breite Artenvielfalt zu setzen.

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Sein Statement: Die gesellschaftlichen Vorzüge nachhaltiger Waldbewirtschaftung sind vielfältig. Der hohe Standard in Deutschland im globalen Vergleich macht gerade die Holzproduktion hier erstrebenswert.

  • Christiane Lorenz-Laubner
    Niedersächsisches Forstamt Lauterberg

    Ihr Statement: Der Wald soll allen nutzen. Denen, die ihn besuchen, denen, die ihn besitzen und denen, die von den Waldprodukten leben. Für diesen Dreiklang stehe ich.

Sein Statement: Es ist wichtig, Waldschutz und -Nutzung zu Fläche vereinen. Ich bin für viel Naturnähe, aber man sollte sich nicht in ein Korsett zwingen. Durch den Klimawandel können sich die Bedingungen schnell ändern, eine große Artenvielfalt ist die beste Versicherung.

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