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Tatsachen? Forschung unter der Lupe

Politik und Medien - Kontrolle oder Kumpanei?

Diskussion
Donnerstag, 19.05.2016, 19 Uhr (Ende ca. 20:30 Uhr)
Aula

Eintritt frei

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Das Unwort des Jahres 2014 war das Wort „Lügenpresse“. Immer wieder skandiert aus der rechtsextremen Ecke, haben sich möglicherweise auch in der Mitte der Gesellschaft Zweifel breit gemacht, inwieweit es um die Unabhängigkeit der Medien und ihrer Kontrollfunktion bestellt ist. Olaf Hoffjann, Professor für Medien und Marketing an der Ostfalia Hochschule, sieht hier eine Verzerrung der Verhältnisse: „Misstrauen gegenüber Journalisten und Politikern hat es schon immer gegeben. Sie mag durch das Internet und soziale Netzwerke zugenommen haben. Dennoch hat die Mehrheit der Bürger noch immer ein großes Vertrauen in die Medien.

Olaf Hoffjann hat auch das Verhältnis zwischen Politikern und Journalisten untersucht und dafür zahlreiche Politiker und Journalisten befragt. „Unsere Ergebnisse zeigen eindeutig: Von Kumpanei kann keine Rede sein. Beide Seiten, Politiker wie Journalisten, fühlen sich in erster Linie ihren Wählern beziehungsweise ihren Lesern verpflichtet und nicht etwa einander.

Einerseits sollen und müssen Journalisten Distanz zu Politikern wahren, um kritisch über sie berichten zu können. Andererseits ist eine gewisse Nähe unerlässlich, um an exklusive Informationen zu gelangen. Journalisten und Redaktionen stehen miteinander in Wettbewerb um die Ware exklusive Information. "Auf öffentlichen Veranstaltungen bekommt man die nicht", sagt Armin Maus, Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung. So treffen sich Politiker und Journalisten in den berühmten Hinterzimmer-Gesprächen, nicht öffentlichen Veranstaltungen, wo Politiker ausgewählten Journalisten exklusive Informationen geben. Dabei kann beim Leser der Eindruck der Kumpanei entstehen. "Solche Hintergrundgespräche in geschützten Räumen sind aber in Ordnung und notwendig", sagt Maus, "denn Journalisten erhalten dort häufig sensible Informationen. Oft fließen sie direkt in die Berichterstattung ein, und immer helfen sie, andere Informationen besser zu hinterfragen und einzuordnen."

Das richtige Verhältnis zwischen Nähe und Distanz zu wahren, ist wichtig – kann sich aber in der Praxis als schwierig erweisen. „Es dürfen keine gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis entstehen“, sagt Maus. Die können auftreten, wenn Politiker Informationen mit falschen Erwartungen verknüpfen. „Ein häufiger Irrtum, der passieren kann“, so Olaf Hoffjann, „ist, dass Politiker zuweilen glauben, die Berichterstattung kontrollieren zu können oder Dankbarkeit vom Journalisten erwarten.

Dass dies, selbst wenn es zeitweise tatsächlich passieren kann, aber am Ende ein Trugschluss ist, zeigt der Fall Christian Wulff. Der frühere niedersächsische Ministerpräsident suchte sehr die Nähe der Bild-Zeitung, die viele freundliche Berichte über ihn schrieb. Als der spätere Bundespräsident Wulff dann aber versuchte, die Journalisten und ihre Berichterstattung zu kontrollieren, wandte sich die Bild-Zeitung und andere Medien gegen ihn.

In der Veranstaltung diskutieren wir, wie nahe sich Politiker und Journalisten im Alltag kommen, wo die Grenzen verlaufen und ob sich die Beziehungen zwischen Medien und Politik in Hannover von denen in Berlin unterscheiden.

Diskussion mit

  • Prof. Dr. Olaf Hoffjann
    Institut für Medienmanagement, Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften

    Sein Statement: Politiker und Journalisten sind eher angefreundete Feinde als angefeindete Freunde.

  • Hubertus Heil
    Mitglied des Deutschen Bundestages

  • Armin Maus
    Chefredakteur Braunschweiger Zeitung

    Sein Statement: Journalisten sind dem Leser verpflichtet, nicht dem Politiker.

Moderation

  • Jens Lubbadeh
    Wissenschaftsjournalist

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