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Plastik im Meer

Tatsachen? Forschung unter der Lupe

Die Expertenrunde auf dem Podium: Stefanie Werner, Dr. Martin Löder, die Moderatorin Dr. Jo Schilling, Hannes Imhof und Nadja Ziebarth (von li. nach re., Foto: Haus der Wissenschaft/F. Koch)

Ein angeschwemmter Pottwal, aus dessen Leichnam 17 Kilogramm Plastik geholt wurden. Meldungen über Meeresbewohner, die an den Folgen fragwürdiger Müllentsorgung verenden, haben sich zuletzt gehäuft. Dass sich die Umweltverschmutzung durch den Menschen längst auch auf die Meere ausgebreitet hat, lässt sich nicht mehr leugnen. Welches Ausmaß diese Verschmutzung mittlerweile angenommen hat und welche Konsequenzen dadurch entstehen können, steht allerdings weitestgehend noch in den Sternen.

Gemeinsam mit dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung haben wir am 14. März 2013 im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Tatsachen? Forschung unter der Lupe“  vier Experten zum Thema „Plastik im Meer“ ins Haus der Wissenschaft Braunschweig eingeladen, um mit ihnen über die Problematik und mögliche Lösungsansätze zu diskutieren.

Zahlen, die beunruhigen

Nadja Ziebarth, Leiterin des BUND Projektbüros Meeresschutz (Foto: Haus der Wissenschaft/F. Koch)

Jährlich landen rund 6,5 Millionen Tonnen Müll in unseren Weltmeeren. Etwa Dreiviertel davon besteht aus Kunststoff. Umgerechnet kann man sagen, dass auf jedem Quadratkilometer der Wasseroberfläche inzwischen bis zu 18.000 Plastikteile unterschiedlichster Größe treiben. Dies ist allerdings nur die Spitze des Eisbergs, da sich der Großteil des Plastikmülls,  in etwa 70%, auf dem Meeresboden befindet. Erstaunlicherweise stammt die Mehrheit des Mülls vom Festland und gelangt durch Flüsse und Abwässer in die See. „Der Fischerei-Betrieb und Offshore-Anlagen sind demnach nur zu 20% als Quelle der Verschmutzung auszumachen“, so Nadja Ziebarth, Leiterin des BUND-Projektbüros Meeresschutz.

Zahlen, die verdeutlichen, dass die Verschmutzung der Meere ein ernstzunehmendes Problem ist, bei welchem dringend Handlungsbedarf besteht. Neben dem offensichtlichen ästhetischen Aspekt besteht die größere Gefahr in den Auswirkungen auf marine Ökosysteme. Mehr als eine Million Seevögel und 100.000 Meeressäugetiere gehen jährlich an den Überresten von Plastikmüll zugrunde. „Das Hauptproblem ist die Langlebigkeit dieser Kunststoffe“, erläuterte Ziebarth. Durch UV-Strahlung und den Wellengang wird das Plastik zwar in immer kleinere Bestandteile zersetzt, das dadurch entstehende Mikroplastik ist allerdings in seiner schädigenden Wirkung nicht weniger gefährlich.

Kleine Partikel mit großer Auswirkung

Hannes Imhof, Evolutionsökologie, Ludwig-Maximilians Universität München (Foto: Haus der Wissenschaft/F. Koch)

Experte auf dem Gebiet Mikroplastik ist Hannes Imhof, Evolutionsökologe an der Ludwig-Maximilians Universität München. Er wies darauf hin, dass die Mikropartikel von kleineren Meerestieren als Nahrung aufgenommen werden. Die Konsequenzen für die Organismen und das gesamte Nahrungsnetz sind bislang nicht untersucht, jedoch sind negative Folgen zu befürchten. „Kunststoffe enthalten viele Zusatzstoffe. Beim Zersetzungsprozess werden diese, unter Umständen toxischen Stoffe, freigesetzt und gelangen so in die Nahrungskette“, erklärte Imhof. Eine Säuberung, zum Beispiel durch Abfischen, ist nahezu unmöglich, da man durch die feinmaschigen Netze einen hohen Anteil an Beifang hätte.

Dr. Martin Löder, Alfred-Wegener- Institut für Polar und Meeresforschung (Foto: Haus der Wissenschaft/F. Koch)

Über die genaue Menge, die Zusammensetzung und den Verbleib von Mikroplastik im Meer ist bis jetzt kaum etwas bekannt. Dr. Martin Löder vom Alfred-Wegener-Institut für Polar und Meeresforschung möchte das ändern. „Um der Problematik Herr zu werden, ist es wichtig klare Zahlen zu Konzentrationen zu schaffen und die Schadstoffe im Mikroplastik zu bestimmen. Nur so ist eine Risikoabschätzung möglich.“, antwortete er auf die Frage, was er sich denn von den Untersuchungen erhoffe. Trotzdem, da waren sich Imhof und Löder einig, sei es nahezu unmöglich die Verschmutzung rückgängig zu machen, vielmehr sollte das Ziel darin bestehen, eine Ausweitung des Problems zu verhindern.

Problematik muss deutlicher kommuniziert werden

Stefanie Werner, Umweltbundesamt, Meeresschutz (Foto: Haus der Wissenschaft/F. Koch)

Durch das gewaltige mediale Interesse hat die Problematik mittlerweile auch die Politik erreicht. Stefanie Werner vom Umweltbundesamt unterstrich, dass im Bereich Abfallrecht dringend eine Revision vonnöten sei. Allerdings, so Werner weiter „ist es eine Sache Verbote zu erteilen, eine andere zu kontrollieren, ob sie eingehalten werden“. Vor allem aber die Plastikindustrie müsse sich dazu verpflichten, weniger zu produzieren und die Produkte eindeutig zu deklarieren. Letztendlich ist die Verschmutzung der Meere aber ein globales Problem, weshalb vor allem die wirtschaftlich, sozial und politisch schwächer entwickelten Länder in die Problembehandlung mit einbezogen werden müssen.

(Autor: Jonas Hartwig)

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