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Organspende - eine ethische Verpflichtung?

Tatsachen? Forschung unter der Lupe

Erst vor wenigen Tagen beschloss der Bundestag die Reform des Transplantationsgesetzes. Gemeinsam mit dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung haben wir Experten mit verschiedenen Ansichten zu einer Fishbowl-Diskussion am 31. Mai 2012 ins Haus der Wissenschaft eingeladen. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Tatsachen? Forschung unter der Lupe“ vertraten sie ihre Standpunkte aus Sicht der Medizin, der Psychologie und Philosophie. Auch eine Betroffene, die als Spenderorgan eine Leber erhalten hat, war Teil der Runde.

Doch zunächst war das Publikum an der Reihe sich vorzustellen. Moderator Oliver Kuklinski (PlanKom) fragte, inwieweit die Zuschauer bereits mit dem Thema Organspende in Berührung gekommen seien: Weniger als die Hälfte besitzt einen Organspendeausweis, aber fast jeder hat im Bekanntenkreis schon einmal über das Thema diskutiert. Im Anschluss an diese erste Fragerunde tauschte sich das Publikum in kleinen Gruppen untereinander über seine Meinung und persönliche Erfahrung aus.

Erst dann traten die Experten in den Mittelpunkt: Dr. med. Martin Willmann, Oberarzt der Neurochirurgie und Transplantationsbeauftragter und Ulrike Krupp, Katholische Klinikseelsorgerin und Mitglied im Klinischen Ethikkomitee arbeiten am Städtischen Klinikum Braunschweig eng miteinander zusammen und beraten Angehörige bei ihrer schweren Entscheidung. Heidrun vom Baur von der Selbsthilfegruppe Lebertransplantierte Deutschland e.V. konnte aus ihrer eigenen Erfahrung berichten, sie bekam vor 20 Jahren eine Leber gespendet. Prof. Dr. phil. Ralf Stoecker vom Institut für Philosophie an der Universität Potsdam, nutzte die Gelegenheit in einer kurzen Präsentation der Frage nachzugehen, ob man Hirntoten Menschen Organe entnehmen darf.

Darf man hirntoten Menschen Organe entnehmen?

Kontrovers diskutiert wurde der Hirntod als Voraussetzung für die Organspende. Bedeutet die Diagnose „Hirntod“, dass ein Mensch wirklich tot ist? Ist es aus philosophischer Sicht verwerflich, einem noch funktionstüchtigen Körper Organe zu entnehmen? Wie kann man Angehörige unterstützen, Abschied zu nehmen, wenn der Arzt den Zeitpunkt des Todes qua Hirntodprotokoll bestimmt?

Besonders bereichernd wurde der Austausch in den Kleingruppen wahrgenommen. Auch, wer sich nicht traute zu den Experten in den Fishbowl zu steigen, um eine Frage zu stellen, konnte seine Meinung in der kleinen Runde kundtun. Als Fazit der Diskussion kann festgehalten werden, dass man sich nicht sofort für oder gegen einen Spenderausweis entscheiden muss. Ratsam ist es jedoch, seinen Angehörigen mitzuteilen, wie man zu diesem Thema steht, damit diese im Falle des Falles entscheiden können.

(Autorin: Nelli Hammer)

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