150 Jahre Evolutionstheorie
„Nothing in biology makes sense except in the light of evolution“
(Nichts macht Sinn in der Biologie, außer im Lichte der Evolution)
Theodor Dobzhansky
150 Jahre Evolutionstheorie – Beiträge zum Darwinjahr
Das Konzept der Evolution kann als die wichtigste Grundlage der Lebenswissenschaften betrachtet werden. Den 200. Geburtstag Darwins und das 150-jährige Jubiläum seiner wichtigsten Schrift „The Origin of Species“ nehmen wir zum Anlass, auf die Geschichte der Evolutionslehre zurückzublicken und nachzuvollziehen, wie Darwins Gedankengut durch wissenschaftliche Prüfung in verschiedensten Bereichen konsolidiert wurde.
Von Anfang an bestand ein Konflikt zwischen religiösen und wissenschaftlichen Standpunkten. Insbesondere die Frage zur Entstehung des Lebens, der Beziehung vom Menschen zu anderen Lebewesen und zum Wechselspiel von Genen und Umwelt wurde und wird auch heute noch intensiv diskutiert.Wir laden Sie zu unseren spannenden Vorträgen mit Referenten aus allen Teilgebieten rund um die Evolution herzlich ein und freuen uns auf interessante Debatten!
19:30 Uhr, Aula, Haus der Wissenschaft
(englischsprachiger Vortrag)
Dr. Rob DeSalle, Curator of the American Museum of Natural History New York (USA)
“I will talk about evolutionary trees. This is a subject Darwin liked and in fact the only figure in the first edition of "the origin " was an evolutionary tree. I would talk about how trees are made, what they mean and how they have advanced modern evolutionary research.”
19:30 Uhr, Aula, Haus der Wissenschaft, Pockelsstr. 11
Prof. Dr. Rainer Willmann, Professor der Universität Göttingen
Charles Darwin und Alfred Russel Wallace gehörten zu den berühmtesten Weltreisenden ihrer Zeit. Ihre so gesammelten Erkenntnisse bestärkten sie in der Überzeugung, dass die biologische Vielfalt das Ergebnis eines Evolutionsvorganges ist - und sie beide entdeckten, vollkommen unabhängig voneinander, die wichtigsten dahinter stehenden Prozesse.
19:30 Uhr, PK 11.1, Haus der Wissenschaft, Pockelsstr. 11
Dr. Brian Tindall, Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH
Verglichen mit dem menschlichen Genom mit 3 Milliarden Basenpaaren (entspricht etwa 20.000-25.000 Genen), ist die Sequenzierung prokaryontischer Genome (Bacteria und Archaea) mit einer Größe von 160.000 bis 13 Millionen Basenpaaren (entspricht etwa 180 bis 9.400
Genen) eine einfache Aufgabe für eine moderne „high-throughput“-Technologie. Obwohl die erste Aufgabe bei der Interpretation genomischer Daten die Identifizierung aller Gene ist, ist es das Hauptziel, diese Information mit der Funktionsweise der Zellen zu verbinden. Trotz der scheinbar einfachen Natur prokaryontischer Zellen wird es immer deutlicher, dass solche einzelligen Organismen sehr komplex strukturierte und organisierte Systeme sind. Solche Systeme erfordern physische Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Komponenten. Dies ist ein Aspekt der chemischen and physikalischen Grundlage des Lebens. Deshalb ist es unbedingt notwendig, dass wir nicht nur wissen, welche Gene vorhanden sind, sondern auch wie sie exprimiert sind und in welcher Art und Weise die Endprodukte in intakten, lebenden Systemen in Wechselwirkung treten.
19:30 Uhr, PK 11.1, Haus der Wissenschaft, Pockelsstr. 11
Prof. Dr. Bernd Schierwater, Professor an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Ökologie- und Evolutionsforscher
Die Suche nach der „Mutter aller Tiere“ fordert Evolutionsbiologen seit Darwins Zeiten heraus. In den letzten 100 Jahren formulierten Biologen einige plausible Hypothesen – jedoch reichten diese nie über unbestätigte Spekulationen hinaus. Das kürzlich entschlüsselte Genom Trichoplax adhaerens ermöglicht fundamental neue Einsichten. Die „Mutter aller Tiere“ könnte demnach eine flache Scheibe gewesen sein, die weder symmetrisch war, noch Organe, Nerven, Sinneszellen oder Muskeln aufwies. Dennoch konnte sie sich bewegen, wies koordiniertes Verhalten auf und konnte sehen.
19:30 Uhr, PK 11.1, Haus der Wissenschaft, Pockelsstr. 11
Prof. Dr. Rüdiger Cerff, i.R., Technische Universität Braunschweig
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Hypothese der linearen und hierarchisch gegliederten Artbildung Darwins die sprunghafte Entstehung neuer Zelltypen und Organismengruppen durch symbiotische Ereignisse gegenübergestellt. Diese erstmals von Mereschkowsky ausformulierte Endosymbionten-Hypothese konnte in den letzten Jahrzehnten mit Hilfe der Genomforschung umfassend bestätigt werden. Der Ursprung der Eukaryotenzelle vor ca. 2 Milliarden Jahren, die Entstehung der ersten Pflanzenzelle vor ca. 1 Milliarde Jahre sowie die spätere Auffächerung in die heutige Algenvielfalt gehören in diese Kategorie. Auch einige Parasiten des Menschen sind endosymbiontischen Ursprungs.
19:30 Uhr, Aula, Haus der Wissenschaft, Pockelsstr. 11
Prof. Dr. Ulrich Joger, Direktor des Naturhistorischen Museums Braunschweig
Eine der Kernaussagen Charles Darwins war die Veränderlichkeit der Arten: Arten heutiger Lebewesen stammen von ausgestorbenen Arten ab und durch Aufspaltung von Arten hat sich die Artenzahl vervielfacht.
Doch was sind Arten? Stellen Sie naturgegebene Einheiten dar oder ist ihre Abgrenzung vom Menschen gemacht? Verändern sich alle Arten im Laufe der Zeit oder überleben manche, quasi als „lebende Fossilien“, ganze Erdzeitalter? Benötigt Artspaltung physische Barrieren oder kann sie auch innerhalb einer Ursprungspopulation stattfinden? Bis heute werden diese Fragen auch unter Biologen intensiv diskutiert.
19:30 Uhr, Aula, Haus der Wissenschaft, Pockelsstr. 11
Prof. Dr. Miguel Vences, Technische Universität Braunschweig
Charles Darwin sammelte 1835 auf den Galapagos Inseln kleine Vögel. Diese so genannten Darwinfinken hatten sich von einer einzigen Art zu einer Vielzahl von Gattungen entwickelt. Jede dieser Gattungen war hervorragend an die jeweiligen ökologischen Bedingungen der Insel angepasst – ein Resultat der so genannten „adaptiven Radiation“. Professor Vences beleuchtet diesen Prozess und illustriert ihn mit eigenen Forschungsarbeiten aus Madagaskar.
19:30 Uhr, Aula, Haus der Wissenschaft, Pockelsstr. 11
Dr. Johannes Krause, Max-Planck Institut für Evolutionäre Anthropologie, Leipzig
Vor ungefähr 150 Jahren, kurz vor der Veröffentlichung von Darwins „The Origin of Species“, wurden Überreste der „Neandertaler“ - einer Urmenschenart – entdeckt.
Die ältesten Spuren der Neandertaler finden sich in Europa und sind ca. 400.000 Jahre alt. Bald nach dem Einwandern der modernen Menschen, unseren direkten Vorfahren, nach Europa vor ca. 35.000 Jahren finden sich jedoch keine Spuren der Neandertaler mehr. Was damals geschah, ob sich Mensch und Neandertaler miteinander genetisch vermischten, ob sie sich bekriegten oder die zusätzliche Konkurrenz die kleine Population von Neandertalern zum Aussterben brachte, wird seit vielen Jahren diskutiert. Ein genetischer Vergleich kann helfen einige dieser Fragen zu beantworten.
19:30 Uhr, Aula, Haus der Wissenschaft, Pockelsstr. 11
Prof. Dr. John Collins, Technische Universität Braunschweig, Gentechnologe
Craig Venter gründete ein Unternehmen zur Sequenzierung des menschlichen Genoms und machte sich so zu einer der kontroversesten Persönlichkeiten unserer Zeit. Beim späteren Umfahren der Welt sammelte Venter neue Organismen und schließlich konnte seine Forschungsgruppe Erkenntnisse zur Vielfalt der Organismen unseres Planeten vorlegen, die mehr Einblicke erlaubten, als jegliche Ergebnisse der gesamten Wissenschaftsgemeinde zuvor.
Darwin und Venter - zwei Männer, die vom Wissensdurst getrieben unser Verständnis von Naturwissenschaften und Entwicklungsgeschichte grundlegend veränderten.
Der Flyer zur Veranstaltung
Im Hörpunkt von Radio DRS2 lernen Sie den grossen Biologen von seiner persönlichen Seite kennen und folgen seinem mühevollen Weg zur Evolutionstheorie. Der Hörpunkt befasst sich auch mit der modernen Evolutionsforschung und den Auswirkungen der Theorie auf Gesellschaft, Politik und Geisteswissenschaften.






