Zur Nutzungsgeschichte des Gebäudekomplexes
1937 - 1945
Der Gebäudekomplex war bei der Grundsteinlegung am 19. März 1935 ursprünglich als Neubau für die »Kulturwissenschaftliche Abteilung« der Technischen Hochschule Braunschweig geplant. Noch in der Planungsphase wurde eine neue Zweckbestimmung als eigenständige Hochschule für Lehrerbildung festgelegt. Die Einweihung fand am 23. Mai 1937 als »Bernhard-Rust-Hochschule« statt. Zweifellos galt der Neubau als Beispiel spätexpressionistischer Architektur der NS-Zeit im Sinne offizieller Staatsarchitektur. Die Nutzung des Gebäudekomplexes war sowohl hinsichtlich der universitären Lehrerbildung als auch der darüber hinausgehenden propagandistischen oder öffentlichkeitswirksamen Nutzung bzw. Instrumentalisierung im Interesse der damaligen Politik des Nationalsozialismus.
Nach 1945
Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Anlage kaum zerstört, so dass hier bereits im November 1945 der Vorlesungsbetrieb wieder aufgenommen werden konnte und die Hochschule als Hochschule für Lehrerbildung mit dem Namen »Kant-Hochschule« eröffnet wurde. In Abstimmung mit der britischen Militärregierung und der Stadt Braunschweig wurde 1945 die Umbenennung zur Kant-Hochschule ebenso vorgenommen, wie die Genehmigung zur Neugründung der Hochschule erteilt. Die »Kant-Hochschule« war der erste Ort, an dem nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur eine freie Universitätsausbildung ermöglicht wurde, sondern die Hochschule bildete zugleich ein äußerst lebendiges und aktives Kulturzentrum Braunschweigs nach der nationalsozialistischen Unterdrückung. Bereits ab 1945 fanden hier städtische Kulturveranstaltungen statt. Ab 1946 benutzte das Staatstheater die Turnhalle als Spielstätte für den Neubeginn; Festveranstaltungen (z. B. Dichterjubiläen), Vortrags-, Lese- und Musikveranstaltungen wurden durchgeführt. Ab dem 16. November 1946 beschäftigte sich eine öffentliche Vortragsreihe mit dem Thema »Fragen der Gegenwart« und begann bereits zu diesem Zeitpunkt mit der Aufarbeitung der unmittelbaren Vergangenheit. Der Gebäudekomplex der »Kant-Hochschule« steht für den geistigen und wissenschaftlichen Neubeginn ebenso wie für den demokratischen Neubeginn des Landes Braunschweigs und Niedersachsens nach dem Krieg. Hier tagte nicht nur der erste demokratische Landtag; in der Aula fand auch am 21. November 1946 die Schlusssitzung des Braunschweigischen Landtages statt, mit der das Land Braunschweig endgültig Teil des neuen Bundeslandes Niedersachsen wurde. Seit 1978 ist die Lehrerbildung und auch der erhaltene Gebäudekomplex Teil der TU Braunschweig.

